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Afrikanischer Frühling in Togo ? « Wir wollen uns aus den Händen eines Raubtiers retten »

24 octobre 2012 par Webmaster

Frauen des oppositionellen Bündnisses « Rettet Togo »

Fast 40 Jahre lang regierte Diktator Eyadema Togo mit harter Hand. Ebenso lange leiden die Menschen dort unter bitterer Armut, Arbeitslosigkeit, Folter und Korruption. Seit sein Sohn an der Macht ist, wird alles nur noch schlimmer. Jetzt nimmt das Volk einen neuen Anlauf gegen das Regime. An vorderster Front: Togos Frauen.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Zehntausend sind es vielleicht, und sie sind weder zu überhören, noch zu übersehen. Mit knallroten T-Shirts marschieren Togos Frauen durch die Hauptstadt Lomé. Ihr Ziel: der Palast des Präsidenten. Die Botschaft auf ihren weißen Bannern ist eindeutig: « Hau ab! » Togos Frauen haben genug von ihrem Staatsoberhaupt Faure Gnassingbé. Mit einem Sexstreik hatten sie vor kurzem gegen die Zustände in Togo protestiert und weltweit Schlagzeilen gemacht – jetzt gehen sie auf die Barrikaden.

Sommaire :

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  • Togos Frauen sagen: « Es reicht! »
  • Alltag unter Diktator Eyadema: Armut, Folter, Korruption
  • Der neue Präsident – laut Opposition ein « Raubtier »
  • « Die Regierung rettet Togo – sonst niemand »
  • Überall herrscht Mangel – nur nicht beim Präsidenten
  • « Es ist höchste Zeit, dass er verschwindet »
  • Internationale Gemeinschaft lässt sich blenden
  • Oppositionsführer hofft auf Togos mutige, furchtlose Frauen
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Togos Frauen sagen: « Es reicht! »

Below Adakou hat den so genannten Roten Marsch mitorganisiert. « Togo steckt in einer Sackgasse, für die Frauen hat sich nichts verändert in diesem Land », sagt Adakou. « Frauen kommen bei der Bildung zu kurz, viele können weder lesen noch schreiben, viel zu wenige machen Abitur, sie enden als Teenagermütter zu Hause am Herd, sie sind sexueller Gewalt ausgesetzt – das alles ist seit Jahrzehnten so », erklärt sie. « Und deswegen sagen die Frauen laut und deutlich: Achtung! Es reicht! Diese Regierung fühlt sich nicht verantwortlich für Euch! »

Alltag unter Diktator Eyadema: Armut, Folter, Korruption

Adakou gehört zum Kollektiv « Rettet Togo ». Seit Monaten legt die neue Oppositionsbewegung den Finger in die Wunde. Tatsache ist: Togo geht es schlecht. Fast die Hälfte der knapp sieben Millionen Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Verfolgung politischer Gegner und Journalisten, Folter, Korruption, eine vom Präsidenten kontrollierte Justiz: Das war jahrzentelang der Alltag unter Diktator Eyadema.

https://media.blubrry.com/cvu_togo_diaspora/podcasts.cvu-togo-diaspora.org/Afrikanischer-Fruhling-in-Togo-AU-20121005-1319-0901.mp3

Podcast: Play in new window | Download (Duration: 3:32 — 1.6MB) | Embed

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Der neue Präsident – laut Opposition ein « Raubtier »

Doch seit Faure Gnassingbé 2005 die Macht von seinem verstorbenen Vater übernahm, habe sich daran nichts geändert, meint Zeus Ajavon, der Kopf der Bewegung: « In diesen sieben Jahren hat sich die Lage in Togo immer weiter verfinstert. Es ist Zeit, dass Schluss ist mit dieser Regierung », sagt Ajavon. Wenn es so weitergehe, werde es eines Tages sehr schwierig sein, den Schaden zu beheben, den Faure angerichtet hat. « Deshalb sagen wir: Wir wollen Togo retten, und zwar jetzt – aus den Händen eines Raubtiers, denn nichts anderes ist der Präsident: ein Raubtier », sagt der Oppositionelle.

« Die Regierung rettet Togo – sonst niemand »

Tausende Frauen demonstrierten in der Hauptstadt Lomé gegen den Präsidenten. (Foto: AFP)
Tausende Frauen demonstrierten in der Hauptstadt Lomé gegen den Präsidenten.

Das will Togos Informationsminister Gilbert Bawara so nicht stehen lassen. Aber sein Lächeln friert ein, als er gefragt wird, warum eigentlich so viele Menschen beharrlich Faures Rücktritt fordern, warum nun auch die Frauen mit demonstrieren, und wer Togo denn nun retten soll. « Warum sollte man Togo retten? Vor wem denn? Es ist allenfalls die Staatsgewalt, die Regierung, die Togo rettet – und sonst niemand », sagt der Informationsminister. An der Gewalt der letzten Tage sei jedenfalls einzig und allein die Opposition schuld: « Das Kollektiv « Rettet Togo » agitiert gegen den Staat – und zwar mit gezielten Provokationen », fährt Baware fort. Bei Zusammenstößen mit der Polizei habe es Verletzte gegeben; die Regierung bedaure das. « Aber das waren keine Massaker, wie das Kollektiv es fälschlicherweise behauptet. Das Kollektiv muss aufhören, mit seinen Hassparolen die Menschen aufzuhetzen und Gewalt zu säen! »

Überall herrscht Mangel – nur nicht beim Präsidenten

Für Ajavon von « Rettet Togo » klingt das wie blanker Hohn. In seinem Büro zeigt er Fotos von Oppositionsanhängern, die bei Demonstrationen zum Teil schwer verletzt wurden. Angeblich von regierungstreuen Schlägertrupps. Für Ajavon ist klar: Kritik ist streng verboten, Gnassingbé will um jeden Preis an der Macht bleiben – und hat die Menschen längst vergessen. « Togo ist ein Land, dem es an allem fehlt. Ein Land, in dem die Krankenhäuser nicht einmal Mullbinden und Watte haben, um Blutungen zu stoppen. In dem die Ärzte dem Patienten sagen müssen: Geh‘ Dir erstmal Verbandszeug kaufen, sonst behandeln wir Dich nicht », erklärt Ajavon. « Und in einem solchen Land soll es normal sein, dass der Präsident eine halbe Million Euro für einen Privatjet ausgibt, um drei Mal im Monat das Wochenende in Italien zu verbringen? Deshalb kämpfen wir. Denn dieses Geld gehört dem Volk », sagt Ajavon.

« Es ist höchste Zeit, dass er verschwindet »

Oppositionsführer Fabre: "Togo macht keine Fortschritte - im Gegenteil". (Foto: AFP)
Oppositionsführer Jean-Pierre Fabre ist

Seit seiner umstrittenen Wiederwahl 2010 sitzt Präsident Faure fest im Sattel. Nicht mehr lange, glaubt Jean-Pierre Fabre. Der Oppositionspolitiker unterstützt die Gruppen, die gegen Faure auf die Straße gehen. Fabre gilt als Faures wichtigster, aber bisher auch als erfolgloser politischer Gegner. Das mag auch daran liegen, dass die Opposition bei der letzten Wahl völlig zerstritten war. Diesen Fehler werde man nicht noch einmal machen, schwört Fabre. Einschüchtern lasse er sich jedenfalls nicht. auch nicht von den Morddrohungen oder den Tränengasgranaten, die auf sein Haus abgefeuert werden. « In der Bibel hat David Goliath besiegt. Und ich spüre, dass das auch bei uns so sein wird », sagt Fabre. « Wenn Faure diese Situation in seiner autistischen Art einfach aussitzen will, soll er das tun. Wir werden es ihm nicht durchgehen lassen, es ist höchste Zeit, dass er verschwindet. »

Internationale Gemeinschaft lässt sich blenden

Tief enttäuscht ist Fabre von der internationalen Gemeinschaft. All die Jahre habe sie sich blenden lassen von Präsident Faures Augenwischerei. Fabre kann nicht begreifen, warum etwa Deutschland seine Entwicklungszusammenarbeit mit dem Regime ausgerechnet jetzt wieder aufgenommen hat – nach fast zwanzig Jahren. Togo mache eben keine Fortschritte in Sachen Versöhnung und Demokratie, wie Entwicklungsminister Niebel letztes Jahr betont habe: ganz im Gegenteil.

Die Frauen in Togo leiden seit Jahrzehnten besonders unter der Unterdrückung. (Foto: AFP)
Die Frauen in Togo leiden seit Jahrzehnten besonders unter der Unterdrückung.

Oppositionsführer hofft auf Togos mutige, furchtlose Frauen

Vom Rest der Welt erwartet Oppositionsführer Fabre keine Hilfe im Kampf gegen Faure. Er glaubt lieber an das togoische Volk. Und besonders an die mutigen, furchtlosen Frauen, die durch die Straßen von Lomé marschieren. Frauen wie Brigitte Adjamagbo, Anführerin der Regenbogenkoalition: « Es ist unsere Pflicht, etwas zu tun! Als Frauen leiden wir besonders in diesem Staat », sagt Adjamagbo. Die Frauen wüssten, dass gerade sie sich einsetzen müssten, dass sie Opfer bringen müssten, um für Togo mehr Freiheit zu erreichen. « Wir tun das als Bürgerinnen, aus Verantwortung gegenüber unserem Land. Und wir tun es als Mütter, die Kinder geboren haben. Wir wissen, was Leben wert ist – und wir wissen, was Schmerzen sind », sagt Adjamagbo.

 

Source : http://www.tagesschau.de/ausland/togo124.html

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